Fast ein ganzes Menschenleben schon handelt die GSW nach dem Werteprinzip „Wohnungsbau im Dienste am Menschen“. 1949 riefen die drei Kriegsopferverbände Baden-Württembergs mit der GSW Sigmaringen eine Selbsthilfeeinrichtung ins Leben, um der Wohnungsnot zu begegnen und Menschen wieder ein bezahlbares Zuhause zu schaffen. Aus der ehemaligen „Selbsthilfeeinrichtung“ sei nach 75 Jahren ein modernes Immobilienunternehmen mit hoher Innovationsbereitschaft geworden, ihre soziale Ausrichtung habe die GSW dabei jedoch nie aus dem Blick verloren, betonte Hans-Josef Hotz, Vorsitzender des Sozialverband VdK Baden-Württemberg e. V. und Aufsichtsratsvorsitzender der GSW in seiner Festrede. Gegründet als gemeinnützige Selbsthilfeeinrichtung, konnte die GSW bereits sechs Jahre nach Ihrer Gründung die 2.000 Wohnung fertigstellen. Die Gründer der GSW hätten ihre Aufgaben unter schwierigsten Voraussetzungen und in einer Weise gemeistert, wie dies heute nicht mehr denkbar sei.
Hotz bemerkte auch, dass sich die GSW in 75 Jahren fortwährend weiterentwickelt und vor dem Hintergrund der Wertevorstellungen des Sozialverbandes VdK im Wohnungsbau engagiert habe. Traditionelle Werte wie Solidarität, Menschlichkeit und Fairness würden noch heute die tägliche Arbeit der Gesellschaft prägen. Die Mieterinnen und Mieter würden hierbei von bezahlbaren Mieten profitieren und müssten sich keine Sorgen darüber machen, dass sie ihre Wohnung wegen rein wirtschaftlicher Motive und Gewinnmaximierung verlieren könnten.
Die Rede von Hotz macht deutlich, dass sich die GSW im Laufe ihrer Geschichte immer wieder bewiesen hat, dass sie sich flexibel auch an schwierige Rahmenbedingungen und unterschiedliche Entwicklungen angepasst hat. So auch an die jüngsten Herausforderungen an die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft: Dem demografischen Wandel begegnet sie mit dem Bau von mehr altersgerechtem Wohnraum, von Pflegeheimen sowie Wohnungen mit Betreuungsservice. Angesichts des Klimawandels investiert die GSW verstärkt in ökologisch-nachhaltige Neubauten und in die energieeffiziente Sanierung ihres Bestandes.
Sigmaringens Bürgermeister Dr. Marcus Ehm betonte in seinem Grußwort die Verbundenheit der GSW zur Stadt. Nicht nur die Gründungsgesellschafterversammlung habe am 25. Juni vor 75 Jahren in Sigmaringen stattgefunden, auch der Aufsichtsrat habe das erste Mal im großen Sitzungssaal des Rathauses in Sigmaringen getagt. Ehm stellte fest, dass 75 Jahre GSW nicht nur 75 Jahre unternehmerischer Erfolg seien, sondern vor allem auch 75 Jahre Dienst am Menschen. So sei die GSW der einzige Vermieter in Sigmaringen, welcher öffentlich geförderten Wohnraum anbiete. Zahlreiche Gebäude würden das bis heute ungebrochene Engagement der GSW an ihrem Unternehmenssitz bestätigen. Darüber hinaus sei die Gesellschaft auch ein wichtiger Arbeitgeber in der Stadt.
Heute, im Jubiläumsjahr, verfügt die GSW über ein umfassendes Portfolio mit rund 4.650 Wohnungen, Pflegewohn- und Pflegeplätzen und Gewerbeeinheiten in Baden-Württemberg, Berlin und Sachsen-Anhalt. Hiervon sind mehr als 1.300 Wohnungen immer noch öffentlich gefördert. Hinzu kommen noch rund 2.400 fremdverwaltete Wohnungen und Gewerbeeinheiten. Zusammen mit dem Bauträger- und Maklergeschäft bildet dies ein solides wirtschaftliches Fundament. Das unternehmerische Handeln ist dabei nach wie vor von den traditionellen Werten der GSW wie Solidarität, Fairness und Menschlichkeit geprägt.
Lilienthal bemerkte, dass sich die Schaffung und die Vermietung von Wohnraum nicht mehr ohne die Politik bewerkstelligen lasse. Sowohl auf Landes- wie auch auf Bundesebene seien alle Aktivitäten des Bauens eng mit der Politik verbunden und maßgeblich von deren Entscheidungen abhängig. Da die GSW sich in den vergangenen Jahren stark im Bereich des geförderten Wohnungsbaus engagiert habe, sei hier der erste Ansprechpartner das Land Baden-Württemberg, da es für das Landeswohnraum-förderprogramm verantwortlich sei. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sei aufgrund der derzeitigen Rahmenbedingen jedoch kaum noch möglich, fuhr Lilienthal fort.
Landtagsabgeordneter Klaus Burger überbrachte den Gruß und Glückwunsch von der Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen Nicole Razavi zusammen mit der Nachricht, dass Razavi bei den aktuellen Haushaltsverhandlungen bemüht sei, eine Milliarde Euro an Fördermitteln für den Wohnungsbau zusammenzubekommen. Burger beschrieb die GSW in seinem Grußwort als eine Gesellschaft, die ihre soziale Verantwortung aktiv wahrnehmen würde und die sich verändernden Bedarfe der Gesellschaft nicht nur erkennen, sondern auch annehmen würde.
Auch die Direktorin des vbw Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V., Dr. Iris Beuerle, bezog in ihrem Grußwort Stellung zur aktuellen Situation in der Bau- und Wohnungswirtschaft. Sie erinnerte an die von Hotz eingangs erwähnten Zahlen: Bereits wenige Jahre nach Gründung der GSW waren bereits 2.000 Wohnungen fertiggestellt – Zahlen, die man sich heute wünschen würde, wenn man daran denke, wie lange es allein dauere, eine Baugenehmigung zu erhalten. Dieses Beispiel zeige, dass wenn man tatsächlich etwas wolle, man auch Lösungen finden würde.
Zum ersten Mal in der Geschichte habe man in Baden-Württemberg ein Ministerium für das Thema Wohnen und zudem auch noch auf Bundesebene, fuhr Dr. Beuerle fort. Man sollte denken, dass solche Ministerien etwas bewirken könnten, aber das Gegenteil sei der Fall. Für eine Neubauwohnung müsse man aktuell als Kostenmiete 21 EUR/m² verlangen, was die Mieterinnen und Mieter nicht mehr bezahlen könnten. 2021 habe die Kostenmiete im Neubau hingegen noch bei 11 EUR/m² gelegen. Dr. Beuerle verwies auch auf den Fakt, dass Baden-Württemberg Schlusslicht in ganz Deutschland im sozialen Wohnungsbau sei: In keinem Bundesland würden mehr sozial geförderte Wohnungen fehlen. Wenn schon kein Geld für den Wohnungsbau da sei, könne man doch wenigstens Verfahren beschleunigen. 37 Prozent des Baubudgets würden in Baden-Württemberg für Verwaltungskosten ausgegeben. Andere Länder würden bei unter 10 Prozent liegen. Hierfür müsse man nur Gesetze ändern, was nichts kosten würde. Die Politik müsse nun endlich handeln, forderte Dr. Beuerle, damit endlich bezahlbarer Wohnraum entstehe. Die GSW handele hingegen und warte nicht, womit die Gesellschaft soziale Verantwortung übernehme.
Die Historie hat gezeigt, dass sich die GSW stets weiterentwickelt hat. Damit besitzt sie die besten Voraussetzungen, um auch die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen im Sinne ihres sozialen Auftrags bewältigen zu können. Gleichzeitig gab Lilienthal zu bedenken – und damit richtete er sich auch an die anwesenden Vertreter der Landespolitik –, dass die GSW die Aufgabe, auch in Zukunft bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, nicht allein stemmen könne. Dies gelinge nur gemeinsam mit der Politik, die dafür die erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen müsse.